Die Zukunftsfähigkeit der Haushalte ausgewählter EU-Mitgliedstaaten
Das von der Brigitte Strube Stiftung unterstützte Projekt des ZEW hat untersucht, wie zukunftsorientiert die öffentlichen Haushalte in Europa aufgestellt sind. Diese Frage ist gesellschaftlich von großer Bedeutung: Ein hoher Anteil öffentlicher Ausgaben für Investitionen in Bildung, Forschung, Infrastruktur, Innovation und Nachhaltigkeit trägt wesentlich dazu bei, langfristig Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Stabilität zu sichern.
Im Zentrum des Projekts stand entsprechend die Frage, in welchem Umfang europäische Staaten ihre Haushalte auf solche langfristig wichtigen Ziele ausrichten. Dafür wurde mit der „Zukunftsquote“ ein neuer Indikator eingesetzt, der staatliche Ausgaben danach bewertet, wie stark sie auf die Zukunft ausgerichtet sind. Auf Grundlage von Daten aus allen EU- und EFTA-Ländern für den Zeitraum von 2001 bis 2023 konnte das Projekt erstmals international vergleichbar aufzeigen, wie unterschiedlich die Prioritäten in den öffentlichen Haushalten gesetzt werden.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass in Europa im Durchschnitt nur ein relativ kleiner Teil der Staatsausgaben als klar zukunftsorientiert eingestuft werden kann. Gleichzeitig zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. Besonders wichtig ist der Befund, dass hoch verschuldete Staaten häufig weniger in zukunftsrelevante Bereiche investieren. Dies weist darauf hin, dass hohe Schulden nicht nur finanzpolitische Risiken mit sich bringen, sondern auch den Spielraum für langfristig wichtige Investitionen einschränken.
Zugleich zeigt die Studie, dass solide öffentliche Finanzen und Zukunftsorientierung kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Länder mit einer disziplinierten und regelgebundenen Finanzpolitik weisen tendenziell höhere Zukunftsquoten auf. Die Projektergebnisse leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Weiterentwicklung europäischer Fiskalregeln und werden bereits in weiteren Vorhaben aufgegriffen.
Die Projektergebnisse wurden am 13. November 2025 auf einer ZEW Brüssel Lunch Debate vorgestellt. Nach der Präsentation zentraler Projektergebbnisse durch Albrecht Bohne (ZEW) hat Projektleiter Friedrich Heinemann (ZEW) ein Panel mit Benedicta Marzinotto, Mitglied des European Fiscal Board, Andreas Schwarz, Kabinettchef von EU-Kommissarin Ekaterina Zaharieva und Zsolt Darvas, Senior Research Fellow bei Bruegel und an der Corvinus-Universität Budapest moderiert. Friedrich Heinemann zeigte sich erfreut, dass die ZEW-Zukunftsquote als neue Maßzahl zur Haushaltsanalyse auf so großen Anklang stößt und bekundete die Bereitschaft seines Forscherteams, die Reformüberlegungen zum MFF und zu den europäischen Fiskalregeln intensiv zu begleiten.
Die Ergebnisse der Studie wurden auch auf der ZEW Lunch Debate im November 2025 in Brüssel diskutiert.
Projektteam
Prof. Dr. Friedrich Heinemann
(Leitung)
Dr. Albrecht Bohne
Christian Heinzel
Projektzeitraum:
März 2025 – Februar 2026
Podcast mit
Prof. Heinemann: Wie zukunftsgerichtet sind Europas Staatshaushalte?
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