Assistierter Suizid:
Leitfaden für ethische Leitlinien

Umgang mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid – ein Leitfaden für Einrichtungen und Dienste

Was tun, wenn ein Patient, ein Bewohner oder ein Gast den Wunsch äußert, sein Leben vorzeitig zu beenden? Wie können Mitarbeitende angemessen reagieren? Welche rechtlichen oder ethischen Gesichtspunkte sind zu beachten? Welche Haltung möchte eine Einrichtung oder ein Dienst zum assistierten Suizid einnehmen?

Der Leitfaden „Umgang mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid“ befasst sich mit genau diesen Fragen und richtet sich an Einrichtungen und Dienste der Gesundheitssorge. Er unterstützt Verantwortliche und Mitarbeitende dabei, die eigene Haltung zu reflektieren und daraus eine gemeinsame Leitlinie zum Umgang mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid zu entwickeln.

Selbstbestimmung des Einzelnen, Fürsorge und Schutz, die moralische Integrität der Mitarbeitenden und die Verantwortung der Institution können miteinander in Spannung geraten. Eine tragfähige Leitlinie sollte daher in einem gemeinsamen Reflexions- und Verständigungsprozess entstehen.

Die Publikation steht kostenfrei als PDF zur Verfügung.

Originalfassung – PDF in hoher Auflösung (80 MB)

Originalfassung – komprimiertes PDF (11 MB)

Für wen ist der Leitfaden gedacht?

Die Publikation richtet sich vor allem an die Leitungen von Trägern, Diensten und Einrichtungen der Gesundheitssorge (Pflege, Krankenhäuser, Hospize, …), Ethikkomitees sowie ihre haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden.

Sie kann sowohl der individuellen fachlichen Orientierung als auch der gemeinsamen Arbeit in Teams, Arbeitsgruppen oder Ethikkomitees dienen. Im Mittelpunkt steht nicht die Vorgabe einer bestimmten Position zum assistierten Suizid. Vielmehr soll der Leitfaden helfen, die für die eigene Organisation maßgeblichen rechtlichen, ethischen und praktischen Fragen strukturiert zu bearbeiten und eine eigene Haltung zu entwickeln.

Grafische Erzählung und fachliche Hintergrundtexte

Der Leitfaden verbindet zwei unterschiedliche Zugänge.

Die grafische Erzählung „Frau Müller will sterben“ begleitet eine fiktive Bewohnerin und zeigt, wie der Wunsch nach einem vorzeitigen Tod eine Einrichtung, ihre Mitarbeitenden und weitere Beteiligte vor schwierige Fragen stellen kann. Der hier aufgezeigte Weg dient ausschließlich als Impuls für die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema.

Impressionen aus der grafischen Erzählung:

Darauf folgen 18 fachliche Hintergrundtexte. Sie vermitteln rechtliche und ethische Grundlagen, beschreiben gesellschaftliche und versorgungsbezogene Rahmenbedingungen und geben konkrete Hilfestellungen für die Entwicklung einer ethischen Leitlinie und die Gestaltung der Praxis. Jeder dieser Texte ist eigenständig und kann unabhängig von der Gesamtpublikation gelesen werden.

Die Themen des Leitfadens

Teil 1: Rechtliche und ethische Grundlagen

Wie lassen sich assistierter Suizid und andere Formen der Sterbehilfe voneinander unterscheiden?

Begriffe wie Sterbebegleitung und Sterbehilfe, assistierter Suizid oder Tötung auf Verlangen werden häufig nicht trennscharf verwendet. Der Beitrag grenzt diese und andere relevanten Begriffe voneinander ab und erläutert ihre rechtliche und fachliche Bedeutung.

Wie ist assistierter Suizid in Deutschland rechtlich geregelt?

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 (Aufhebung des § 217 StGB) stärkte das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Während das vom BVerfG formulierte Konzept der Freiverantwortlichkeit die Rahmenbedingungen setzt, steht eine umfassende gesetzliche Ausfüllung des Rahmens weiterhin aus. Diesbezügliche Aspekte und Implikationen werden ausgeleuchtet.

Unter welchen Voraussetzungen ist ein Suizidwunsch freiverantwortlich?

Das Bundesverfassungsgericht knüpft das Recht auf selbstbestimmtes Sterben an die Freiverantwortlichkeit der Entscheidung. Doch wann ist ein Wunsch tatsächlich freiverantwortlich? Wesentliche Kriterien hierfür sind Fähigkeit zur freien Willensbildung, Wohlerwogenheit, die Freiheit von unzulässiger Einflussnahme sowie die Dauerhaftigkeit und innere Festigkeit des Sterbewunsches.

Wie ist Sterbehilfe in anderen Ländern geregelt?

Um die Rechtslage in Deutschland besser einzuordnen, ist der Blick über die Grenzen hilfreich. Der internationale Vergleich betrachtet für zahlreiche Länder die jeweiligen gesetzlichen Regelungen zu assistiertem Suizid und Tötung auf Verlangen, die geltenden spezifischen Anspruchsvoraussetzungen und die jüngere Entwicklung der Fallzahlen.

Welche Rolle spielt die Würde beim assistierten Suizid?

Die Menschenwürde gehört zu den zentralen Begriffen der Debatte über Sterben und assistierten Suizid. Ausgehend von der unterschiedlichen Verwendung und Bedeutung des Würdebegriffs werden verschiedene Würdemodelle und ihre jeweilige Bedeutung für den Umgang mit dem assistierten Suizid betrachtet.

Welche Positionen zum assistierten Suizid vertreten Dach- und Fachverbände und der Deutsche Ethikrat?

Dach- und Fachverbände sowie der Deutsche Ethikrat haben jeweils eigene Positionen zum Umgang mit assistiertem Suizid entwickelt. Diese Empfehlungen dienen den Einrichtungen und Diensten der Gesundheitssorge als Orientierung und können helfen, eine eigene Haltung und einen eigenen Umgang mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid zu finden. Die einzelnen Positionen werden hier schlaglichtartig dargestellt.

Teil 2: Rahmenbedingungen, Versorgungsrealität und gesellschaftliche Verantwortung

Welche palliativen Versorgungsangebote gibt es in Deutschland?

Die palliative Versorgung hat zum Ziel, körperliche, psychosoziale und spirituelle Belastungen schwer erkrankter Menschen zu lindern und ihre Lebensqualität zu erhöhen. Sie kann für Menschen mit Todeswünschen somit einen alternativen, gangbaren Weg bieten. Ein Überblick über ambulante und stationäre Angebote sowie die Hospiz- und Palliativarbeit für Erwachsene, Kinder und Jugendliche zeigt, wie vielfältig und umfassend die Palliativversorgung in Deutschland ist.

Wo sterben Menschen in Deutschland?

Der gewünschte und der tatsächliche Sterbeort stimmen oft nicht überein. Die Betrachtung der Verteilung der Sterbeorte in Deutschland – Krankenhaus, Pflegeeinrichtung, eigenes Zuhause oder Hospiz – macht diese Versorgungsrealität sichtbar.

Welche Bedeutung kann Einsamkeit für einen Todeswunsch haben?

Gerade bei älteren, schwer erkrankten oder pflegebedürftigen Menschen können fehlende soziale Beziehungen und das Gefühl, anderen zur Last zu fallen, erheblich auf das Erleben am Lebensende einwirken. Der Beitrag betrachtet unterschiedliche Formen von Einsamkeit und untersucht mögliche Zusammenhänge zwischen Einsamkeit und dem Wunsch nach einem vorzeitigen Tod.

Welche Bedeutung hat Suizidprävention im Kontext des assistierten Suizids?

Das Recht auf Selbstbestimmung und der Schutz von Menschen in Krisensituationen widersprechen sich nicht zwangsläufig. Suizidprävention soll vermeidbare Suizide verhindern. Ziele und Maßnahmen der Suizidprävention auf unterschiedlichen Ebenen werden im Kontext des assistierten Suizids eingeordnet.

Was können Caring Communities am Lebensende leisten?

Im Hinblick auf schwere Krankheit, Sterben, Tod und Trauer komplettieren sorgende Gemeinschaften (Caring Communities) die professionellen Versorgungsangebote durch die zivilgesellschaftlich getragene Sorge von Familie, Nachbarschaft und Ehrenamt. Tragfähige soziale Netzwerke, gesellschaftliche Teilhabe und gemeinschaftliche Sorge können so zur Lebensqualität betroffener Menschen beitragen und im gewissen Umfang auch Todeswünschen vorbeugen.

Teil 3: Leitlinienentwicklung und Praxisgestaltung

Wie entwickelt man eine ethische Leitlinie zum assistierten Suizid?

Welche Funktion hat eine ethische Leitlinie? Wie kann sie praxistauglich strukturiert werden? Und wie könnte ihre Entstehung von der Initiative über die Erarbeitung bis hin zu konkreten Handlungsempfehlungen ablaufen? Ein Praxisbeispiel überträgt diesen Entwicklungsprozess auf den assistierten Suizid.

Wer sollte an der Entwicklung einer ethischen Leitlinie beteiligt werden?

Eine Leitlinie sollte idealerweise in einem partizipativen Prozess entstehen. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende, unterschiedliche Berufsgruppen und Leitungsebenen in die Entwicklung einbezogen werden können.

Wie lassen sich die ethischen Fragen zum assistierten Suizid systematisch diskutieren?

Entscheidungen zum assistierten Suizid betreffen nicht nur den einzelnen Menschen. Sie berühren auch Mitarbeitende, Organisationen, Versorgungssysteme und die Gesellschaft. Das Mehr-Ebenen-Modell hilft, diese Perspektiven auseinanderzuhalten und anschließend miteinander in Beziehung zu setzen. So können Verantwortlichkeiten, Werte und mögliche Konflikte systematisch sichtbar gemacht werden.

Inwiefern ist mit einem Anstieg der Fallzahlen von assistiertem Suizid zu rechnen?

Das sogenannte Dammbruchargument spielt in der Diskussion über Sterbehilfe seit Langem eine wichtige Rolle. Befürchtet wird, dass aus eng begrenzten Ausnahmen schrittweise eine gesellschaftliche Normalisierung des assistierten Suizids entstehen könnte. Der Beitrag betrachtet unterschiedliche Lesarten dieses Arguments in der Sterbehilfedebatte.

Wo können Einrichtungen beim assistierten Suizid „Rote Linien“ ziehen?

Dürfen externe Sterbehilfeorganisationen im eigenen Haus tätig werden? Muss oder soll eine Einrichtung assistierten Suizid in ihren Räumen zulassen? Dürfen Mitarbeitende hierbei mitwirken? Die Diskussion über diese und andere „Rote Linien“ hilft Einrichtungen und Diensten, klare institutionelle und individuelle Grenzen zu bestimmen.

Wie führt man ein Gespräch mit einem Menschen, der einen Todeswunsch äußert?

Ein geäußerter Todeswunsch kann sehr unterschiedliche Ursachen und Bedeutungen haben. Um ihn besser zu verstehen, ist daher zunächst Zuhören, sorgfältiges Verstehenwollen sowie eine offene Gesprächsführung hilfreich. Es gilt, den Wunsch ernst zu nehmen, ohne ihn vorschnell zu bewerten oder eine bestimmte Entscheidung vorzugeben.

Wie können Mitarbeitende für den Umgang mit Todeswünschen geschult werden?

Wissen, kommunikative Kompetenz und Raum zur Reflexion sind wichtige Bestandteile von Schulungen zu assistiertem Suizid. Neben möglichen Zielen, Inhalten und Formaten werden Beispiele bestehender Schulungsangebote vorgestellt.

Über Autoren und Zeichnerin

Dr. Manfred Baumann ist evangelischer Theologe, Pflegewissenschaftler, Ethikberater im Gesundheitswesen, Gesundheits- und Krankenpfleger, Palliative-Care-Fachkraft und Hospizleiter. Er arbeitet in der Erwachsenenbildung mit den Schwerpunkten Ethik im Gesundheitswesen und Palliative Care.

Jeanette Neumann-Maile ist Sozialgerontologin (M.A.), Palliative-Care-Fachkraft, Trauerbegleiterin und Leiterin eines Ambulanten Hospizdienstes. Zu ihren fachlichen Schwerpunkten gehören soziale Beziehungen am Lebensende.

Dr. Jens Strube ist geschäftsführender Gesellschafter der Strube Stiftung gGmbH. Schwerpunkte seiner gemeinnützigen Tätigkeit sind Palliative Care, Caring Community und Patientenentscheidungskompetenz.

Amelie Persson arbeitet als selbständige Zeichnerin und Illustratorin in Frankfurt am Main. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Erzählen von Geschichten in Wort und Bild. Sie hat die grafische Erzählung „Frau Müller will sterben“ gezeichnet.

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Die Publikation wird unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.veröffentlicht. Weiterführende Copyright-Hinweise finden Sie hier >>

 

Die Beiträge geben den Kenntnisstand mit Stand Mai 2026 wieder. Trotz sorgfältiger Prüfung kann keine Gewähr für Vollständigkeit und fortdauernde Aktualität übernommen werden. Die Publikation dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine individuelle medizinische, pflegerische, psychologische oder rechtliche Beratung.

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